Film über David Bowie und Iggy Pop – Wie der “coole” Rock nach West-Berlin kam

by Sarah-Maria Deckert / Tagesspiegel

7th February 2013

Sie brachten den “coolen” Rock in den 1970er Jahren nach West-Berlin: David Bowie und Iggy Pop. Nun soll eine Film über die gemeinsame kreative Schaffenszeit der beiden Musikerikonen gedreht werden – mit West-Berlin in der Hauptrolle.

Berlin wird bald auf der großen Leinwand zu sehen sein, und zwar in einer Quasi-Hauptrolle als Schauplatz in einem Film über David Bowie und Iggy Pop. Die deutsch-britische Produktion von Egoli Tossell Film und Altered Image ist als Filmbiographie über die gemeinsame kreative Schaffensphase der beiden Musikerlegenden im geteilten Berlin der 1970er Jahre geplant. Damals wohnten Bowie und Pop nicht nur zusammen in einer Wohnung in Schöneberg, sie schufen hier auch Klassiker wie Bowies legendäre Berlin Trilogy („Low“, „Heroes“, „Lodger“) oder Pops Album “Lust of Life”, das dem Film auch seinen Namen leiht.

Damit brachten sie den “coolen” Rock nach Deutschland, meint Filmproduzent Jens Meurer.

„Lust for Life“ soll kein klassisches Biopic werden, erklärt Meurer weiter. Im Zentrum des Films steht, anders als beispielsweise in „Control“ (2007), dem biographischen Film über Joy-Divison-Sänger Ian Curtis, nicht der Aufstieg bis zum (Ver-)Fall eines Künstlers, sondern die Stadt Berlin. Genauer: der Westen. „Alle Welt kennt Ost-Berlin“, erklärt Meurer. „Lust for Life“ rücke hingegen die Geschichte der Hälfte einer Stadt in den Vordergrund, die durch die bisher fast ausschließliche Fixierung auf den Berliner Osten in der filmischen Aufarbeitung weitestgehend übersehen wurde. Meurer möchte die Stimmung dieser „vergessenen Ära“ rund in und um Schöneberg, Bahnhof Zoo und den Nollendorfplatz deshalb durch die Augen zweier Menschen zeigen, die seine „aufregende, inspirierende und auch bedrohliche” Seite für sich und ihre Kunst in dieser Zeit entdeckt haben.

Diese sehnsüchtige „Gier“ nach Leben, die in „Lust for Life“ beschrieben wird, ist es nämlich, die David Bowie und Iggy Pop Anfang der 1970er Jahre nach Berlin zog. Ähnlich wie heute galt die Hauptstadt bereits vor nunmehr 40 Jahren als aufregendes, pulsierendes Kreativ-Mekka, als Schmelztiegel und Magnet für unzählige gestrandete Künstlerseelen, für Hedonisten, ewig Reisende und politische Aktivisten jeglicher Couleur. Berlin wird im Film deshalb zur Kulisse seiner eigenen Geschichte auf einem Weg zwischen Subkultur und politischem Krisenherd, in der man sich nach Meurer auch auf szenische Pilgerreisen zu der ein oder anderen bedeutenden Wegmarke Bowies und Pops freuen darf, wie die Hansa-Studios, das „Slumberland“ oder die Hausnummer 155 in der Schöneberger Hauptstraße.

„Es gibt einen Grund dafür, dass Bowie und Pop damals nach Berlin gekommen sind“, sagt Meurer. „Sie waren glücklich, sie zehrten von der Präsenz der Stadt und sie haben Berlin mindestens genauso viel gegeben, wie sie für sich selbst gefunden haben.“ Und dabei spielen weniger Zigaretten- und bierdurchtränkte Nächte, etwa im legendären „Dschungel Club“, eine Rolle, als viel mehr der ganz normale Alltag in den Straßen des Berliner Westens. Bowie und Pop wandelten hier auf den Spuren deutscher Kunst, Musik und Geschichte. Und genau diesen möchte Meurer gemeinsam mit Regisseur Gabriel Range („Death of a President“) nachspüren.

Schon Anfang des Jahres deutete sich bei David Bowie eine Rückkehr zu seiner Berliner Periode an, als er an seinem 66. Geburtstag nach zehn langen, stillen Jahren der Welt – und vor allem Berlin – einen neuen Song schenkte. In „Where are we now?“ streift er als „walking dead“ mit einem wehmütigen Schulterblick noch einmal durch vergangene Zeiten, „lost in time“, wie es in einer Zeile heißt. Doch die Idee zum Film kam Produzent Meurer schon lange davor. Seit über zwei Jahren arbeitet er mit seinen britischen Kollegen an der Recherche für das Herzensprojekt, das von der Filmförderung Creative England und der FFA Förderungsanstalt unterstützt wird. Das Drehbuch für „Lust for Life“ stammt aus der Feder von Robin French, einem jungen britischen Autor – und bekennenden Bowie-Pop-Verehrer – und basiert zu großen Teilen auf den beiden Biografien „Starman: David Bowie“ und „Open Up and Bleed: Iggy Pop“ von Paul Trynka.

„Lust for Life“ sei nach Meurer keine schlichte Verfilmung zweier Künstlerleben, sondern eine Kombination aus drei Hauptfiguren, in der Berlin die Hauptrolle spielt, David Bowie und Iggy Pop „nur“ die Supporting Acts. Drehstart soll bereits Ende des Jahres in Berlin sein, natürlich an so vielen Originalschauplätzen wie möglich. „Die Mauer ist zwar nicht mehr da“, sagt Meurer, „aber das werten wir als Herausforderung, um in den Filmstudios Babelsberg der Realität dann wenigstens etwas näher zu kommen.“ Wer die beiden Musikerikonen David Bowie und Iggy Pop mimen soll, ist allerdings noch nicht bekannt.

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