David Bowie: Er ist wieder hier, in seinem Revier

Nachrichten.at

8th March 2013

David Bowie legt gerne falsche Fährten. Während ihn die Welt nach seiner Herzattacke vor neun Jahren im Ruhestand wähnte, bastelte der 66-Jährige gemeinsam mit Langzeit-Produzent Tony Visconti eifrig – und ohne jedes Wissen der Öffentlichkeit – an neuen Songs. Und ja, es sind großartige Songs geworden. „The Next Day“ ist ein präzises, kraftvolles und inspiriertes Album. Selbstreferentiell natürlich, aber kein billiger Abklatsch früherer Großwerke.

Auf eine falsche Spur lockte der Brite auch mit der ersten Single-Auskopplung „Where Are We Now“, einer so wehmütigen wie faden Ballade, in der sich Bowie an seine Zeit in Berlin Mitte der 70er erinnert:

In Verbindung mit dem bereits vorab veröffentlichten Cover-Bild, das seine „Heroes“-LP verfremdet zeigt, war eine elegische, selbstzufriedene Nostalgie-Platte zu befürchten.

Das Plattencover:

David Bowie Cover

 

Das Motto: keine Experimente!

Entwarnung! „The Next Day“ könnte nicht weiter davon entfernt sein. Bowies erstes Werk seit einem Jahrzehnt ist sein härtestes und rockigstes seit … ach, ewig. Wagemutige musikalische Experimente hat sich der in den 90ern ausgiebig mit elektronischer Dancemusik und Industrial Flirtende auf seinem 26. Studioalbum verkniffen. Nein, an der Spitze der musikalischen Avantgarde will Bowie nicht mehr stehen. Muss er auch nicht. Auf „The Next Day“ vertraut er primär auf die Grundelemente des Rock’n’Roll: kraftvolle Drums, knackige Bässe, harte Gitarren, aufgelockert von schwelgerischen Keyboards und Blechbläsern. Mit Erfolg.

„Here I am, not quite dying“, stellt ein vor Lebensfreude strotzender Bowie gleich zu Beginn süffisant im Titelsong klar. 53 Minuten lang nimmt er den Hörer auf eine faszinierende Zeitreise durch sein vielfältiges künstlerisches Schaffen mit, ohne dass dieser Trip zu einem Besuch im verstaubten Rock’n’Roll-Museum verkäme. So finden sich in „Dirty Boys“ und „Boss Of Me“ Spurenelemente der souligen „Young Americans“-Phase, das wunderbare „Valentines Day“ erinnert an die „Ziggy Stardust“-Zeit, während „(You Will Set) The World On Fire“ die Hardrock-Exzesse mit Tin Machine belehnt. Das bezaubernde „You Feel So Lonely You Could Die“ hätte sich auch auf Jahrhundertwerken wie „Heroes“ oder „Low“ nahtlos eingefügt, ebenso das bissige „The Stars (Are Out Tonight)“.

 

„The Stars (Are Out Tonight)“ (Quelle: Youtube):

Herzlich Willkommen zurück, David! Wir haben dich vermisst.

David Bowie: „The Next Day“ (Sony Music, ab Freitag im Handel erhältlich)

OÖN Bewertung: 4/5

Advertisements

Leave a comment

Filed under Press

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s