David Bowie im Museum

Die Welt

18th March 2013

London (dapd). Die Ausstellung “David Bowie is” wird wohl die erfolgreichste Schau, die das Victoria and Albert Museum in London je ausgerichtet hat. Bereits eine Woche vor der Eröffnung am Samstag (23. März) wurde im Vorverkauf eine Rekordzahl von über 42.000 Tickets abgesetzt. Die erste internationale Retrospektive über Bowie beleuchtet seine fast 50 Jahre währende Karriere von seinem Durchbruch als Ziggy Stardust über seine Berliner Jahre bis zu seinem kürzlich veröffentlichten 25. Album “The Next Day”.

David Bowie hat sich rar gemacht in den letzten zehn Jahren, so rar, dass “The Next Day” als Sensation gefeiert wurde. Eine Überraschung war das Album auch für die Kuratoren von “David Bowie is”, Geoffrey Marsh und Victoria Broackes. Schließlich erschien das Werk zwei Wochen vor der Ausstellungseröffnung.

Während die Kuratoren die Schau drei Jahre lang vorbereiteten und dafür sechs Wochen in New York verbrachten, um das 75.000 Stücke umfassende Privatarchiv des 66-jährigen Künstlers zu sichten – “fantastisch dokumentiert wie ein Museum an einem streng geheimen Ort”, sagte Marsh – verriet ihnen niemand aus Bowies Entourage, dass der Meister an einem neuen Album arbeitete.

Gezeigt werden in der Ausstellung über 300 Stücke: Fotografien, Plattencover, Notenblätter von Kompositionen wie “Space Oddity”, Instrumente und Musikvideos. Mehr als 60 Kostüme, darunter jene, die der größte Verwandlungskünstler des Pop trug, als er “Ziggy Stardust” und den “Thin White Duke” in den 1970er-Jahren verkörperte, oder ein Union-Jack-Mantel, den Alexander McQueen für das Cover des Albums “Earthling” von 1997 schneiderte, illustrieren die Modeobsession des Künstlers.

Präziser Kontrolleur des eigenen Image

Das gigantische Archiv belegt, wie präzise Bowie sein Image und kreative Mitstreiter kontrolliert. “Er ist sehr gut darin, innovative Menschen zu finden und von ihnen künstlerisch zu profitieren”, sagt Kurator Marsh. Ein weiteres Indiz der Kontrollversessenheit Bowies sind unzählige Zeichnungen und Storyboards. Angelegt hat sie der strategisch denkende Künstler für Plattencover, Videos wie jenes zu seiner Single “Ashes to Ashes” von 1980 oder seine Live-Auftritte. Einer der bekanntesten Songs, den Bowie in seinen Berliner Jahren schrieb – “Heroes”, für Ausstellungsmacher Marsh eine “Weltnationalhymne” – wird ausführlich gewürdigt. Bowie sang ihn auf dem Live Aid-Konzert 1985, aber auch beim New Yorker Konzert nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001.

Die Schau beleuchtet auch Kindheit und Jugend Bowies, der 1947 als David Robert Jones im Südlondoner Stadtteil Brixton geboren wurde. Er wuchs in bürgerlichen Verhältnissen einer Mittelklasse-Familie auf. Schon im Alter von 14 Jahren sei der gebürtige Brite überzeugt davon gewesen, dass er ein Star werden würde, sagte Marsh – und habe bereits als junger Mann eine “verführerische Selbstsicherheit” ausgestrahlt.

Durchbruch 1969

Im Swinging London der 1960er-Jahre mischte er sich zunächst mit mäßigem Erfolg unter die Musikszene Sohos. Der Durchbruch gelang ihm nach dem ersten kommerziellen Erfolg von “Space Oddity” im Jahr 1969 mit einer Figur, wie sie die Popwelt noch nicht gesehen hatte: 1972 schuf Bowie die berühmteste Kunstfigur der Glamrock-Ära: “Ziggy Stardust”, eine androgyne Stilikone mit rotem Haar, Makeup und hautengen, extravaganten Anzügen.

“Sei, wie du bist, sieh aus, wie du willst, und lebe deine Sexualität aus”, beschreibt Marsh den kompromisslosen Individualismus des Künstlers “Bowie ist eine Metapher für die westliche liberale Demokratie. Er ist davon überzeugt, dass jeder Mensch außergewöhnlich sein kann, wenn er in seinen Kopf schaut. Sei kein Astronaut im Weltall, sei ein Astronaut in Deinem Kopf – das will er seinem Publikum vermitteln”, sagt Marsh. Nicht nur Heerscharen von Musikern, auch Mode, Kunst und Design habe Bowie wie kein anderer beeinflusst.

Kein Kontakt zu Bowie

Wie Bowies Alltag indes im Jahr 2013 in Manhattan, wo er seit langem lebt, aussieht, darüber kann Marsh, der sich so intensiv mit Bowie befasst hat, nur spekulieren. Er hat den Künstler nie getroffen oder mit ihm gesprochen. Marsh ist sich sicher, dass “er immer noch ziemlich hart arbeitet, egal, was er tut”.

Für Bowies strenge Arbeitsethik spreche, dass er zwischen 1972 und 2004 durchschnittlich alle elf Tage aufgetreten sei. Ebenso mysteriös bleibt für die Ausstellungsmacher, was Bowie tun wird, wenn die Schau am Mittwoch (20. März) mit viel Prominenz aus Mode, Film und Musik glamourös eröffnet wird. Denn bei der Eröffnung wird David Bowie sich wieder einmal rarmachen und fernbleiben. Am 23. folgt dann die Eröffnung für das Publikum.

Advertisements

Leave a comment

Filed under Press

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s